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Mother Mary Comes to Me Rezension 2024: Lohnt sich dieser Roman?

By haunh··3 min read·
3.7
Mother Mary Comes to Me

Mother Mary Comes to Me

SCRIBNER

    Quick Verdict

    Pros

    • Aktuelle und relevante Thematik rund um Glaube und persönliche Freiheit
    • Komplexe Mutter-Tochter-Beziehung, die viele Leserinnen berühren dürfte
    • Starke atmosphärische Beschreibungen des Lockdown-Alltags
    • Mutiger Umgang mit religiösen Tabuthemen
    • Katherine Gardner schreibt mit journalistischer Präzision und literarischer Sensibilität

    Cons

    • Der religionskritische Ton kann für gläubige Leserinnen und Leser befremdlich wirken
    • Manche Kapitel neigen zu Längen, besonders in der Mitte des Buches
    • Der emotionale Ton schwankt teils stark zwischen reflektierten und sehr direkten Passagen

    Schnelles Fazit

    Ich habe Mother Mary Comes to Me an einem grauen Novemberabend angefangen und das Buch an einem Nachmittag ausgelesen – was bei mir selten vorkommt. Katherine Gardner hat einen Roman geschrieben, derreligionöse Gewissheiten hinterfragt, ohne dabei belehrend zu wirken. Ob sich das Buch für dich lohnt, hängt stark davon ab, wie du selbst zu Glaube und Religion stehst. Meine Bewertung: 3,7 von 5 Sternen.

    Was ist Mother Mary Comes to Me?

    Quinn ist Mitte 30, Journalistin in New York, und lebt während des COVID-19-Lockdowns in einem kleinen Apartment, das sich anfühlt wie ein Container für aufgeschobene Entscheidungen. Ihre Mutter ist im Sterben, und Quinn ringt seit Jahren mit dem katholischen Glauben, in dem sie aufgewachsen ist. Als sie eines Nachts ein Zeichen sieht, das sie als Botschaft der Jungfrau Maria interpretiert, gerät ihre ohnehin fragile Weltordnung ins Wanken. Soll sie zurück in den Schoß der Kirche finden – oder ist das alles nur ein Produkt ihrer überstrapazierten Nerven?

    Mother Mary Comes to Me

    Katherine Gardner, bekannt als Journalistin für Pandemic-Ursprungsberichte, nutzt ihren literarischen Debutroman, um Fragen zu stellen, die sie auch journalistisch umtreiben: Wie gehen wir mit dem Umdenken um? Wie viel Kontrolle haben wir wirklich über unser Leben? Und was passiert, wenn das Universum – oder Gott, oder die Jungfrau Maria – plötzlich direkt mit uns spricht?

    Wichtige Merkmale des Buches

    • Umfang: ca. 320 Seiten (je nach Ausgabe)
    • Genre: Gegenwartsliteratur mit religiöser Thematik
    • Erschienen: 2024 bei Scribner
    • Sprache: Englisch (auch als E-Book und Hörbuch verfügbar)
    • Geeignet für Leserinnen und Leser ab 16 Jahren
    • Thematische Schwerpunkte: Glaube, Trauer, Autonomie, Lockdown-Alltag
    • Perspektive: Ich-Erzählung aus Quinns Sicht

    Meine Erfahrung beim Lesen

    Ich muss gestehen: Ich war beim Start skeptisch. Ein weiteres COVID-Buch? Noch dazu eines über Religion? Aber Gardners Erzählstimme hat mich schnell abgeholt. Sie schreibt mit der Präzision einer Journalistin, die gewohnt ist, Fakten zu prüfen, und überträgt diese Genauigkeit auf die Innenwelt ihrer Figur. Quinn denkt, plant und analysiert – genau wie wir alle während des Lockdowns.

    Was mich überrascht hat: Die Beschreibungen des New Yorker Alltags während der Pandemie sind so konkret und sensorisch, dass ich mich zurückversetzt fühlte. Die leeren Straßen, das ewige Videochat-Blobgesicht, die Paranoia beim Einkaufen – Gardner hat das festgehalten, ohne dabei kitschig zu werden.

    Wo ich ehrlich sagen muss, dass es hakt: In der Mitte des Buches. Gardner neigt dazu, Quinns Gedankenkreisen etwas zu lang auszubreiten. Man merkt, dass die Autorin selbst noch ringt mit den Antworten auf die Fragen, die sie stellt. Das ist authentisch, aber manchmal auch zäh zu lesen.

    Der Durchbruch kommt in den Schlusskapiteln, wenn Quinns Mutter im Mittelpunkt steht. Dort schreibt Gardner mit einer Intensität, die mich wirklich gepackt hat. Die Mutter ist keine Heilige, keine Klischeefigur – sie ist eine Frau, die nach ihren eigenen Regeln gelebt hat, oft zum Leidwesen ihrer Tochter, und die nun mit dem Tod konfrontiert wird.

    Wer sollte dieses Buch lesen?

    • Du interessierst dich für die Schnittstelle zwischen Glaube und Vernunft
    • Du hast die COVID-19-Pandemie selbst erlebt und suchst nach literarischer Verarbeitung
    • Du stehst in einer komplizierten Beziehung zu deiner eigenen Familie
    • Du magst Bücher, die mehr Fragen stellen als Antworten geben
    • Du legst Wert auf authentische, ungeschönte Erzählstimmen

    Überspring dieses Buch, wenn du katholische Frömmigkeit suchst oder dich bei religiösen Debatten lieber auf eine Seite schlägst. Gardner stellt Fragen, beantwortet sie aber nicht für dich – und das kann frustrierend sein, wenn du klare Standpunkte bevorzugst.

    Alternativen, die du in Betracht ziehen könntest

    Wenn dich die Thematik anspricht, du aber nach einem anderen Zugang suchst: Die湖北 von Nathan Englander ist ein ähnlich kluger Umgang mit jüdischer Identität und Glaube. Wer eher den Pandemie-Aspekt sucht, wird in The Plague Year von Lawrence Wright (Sachbuch, kein Roman) fündig. Und für Leserinnen und Leser, die komplizierte Mutter-Tochter-Beziehungen bevorzugen, ist Alles ist nicht umsonst von J. Courtney Sullivan ein guter Ankerpunkt.

    Häufig gestellte Fragen

    Die Protagonistin Quinn empfängt während des COVID-19-Lockdowns ein Zeichen von der Jungfrau Maria. Das setzt eine intensive Auseinandersetzung mit ihrer katholischen Erziehung und der Beziehung zu ihrer sterbenskranken Mutter in Gang.

    Abschließende Bewertung

    Mother Mary Comes to Me ist kein perfektes Buch, aber es ist ein ehrliches. Katherine Gardner hat Mut, ihre eigenen Zweifel und Überzeugungen auf Papier zu bringen, ohne dabei dogmatisch zu werden. Das macht den Roman zu einem seltenen Tier: ein Buch über Glaube, das nicht missioniert, sondern zum Nachdenken einlädt.

    Ich habe das Buch mit einem mulmigen Gefühl angefangen und mit einem stillen Respekt für Gardners Arbeit aufgehört. Es ist nicht für jeden, aber für die Richtigen kann es ein wichtiges Leseerlebnis sein.