Remarkably Bright Creatures: A Novel – Rezension und Bewertung

Quick Verdict
Pros
- Ein Oktopus als Ich-Erzähler – so etwas gibt es selten in der Literatur
- Die Themen Einsamkeit und Trauer werden einfühlsam und nie kitschig behandelt
- Schreibstil ist leicht und flüssig, perfekt für entspannte Lesestunden
- Die Atmosphäre im Aquarium wird lebendig beschrieben, fast spürbar
- Das Buch hat eine überraschende Auflösung, die long nachhallt
Cons
- Manchmal geht das Erzähltempo etwas zäh, vor allem in der Mitte
- Die menschlichen Figuren könnten etwas mehr Tiefe vertragen
- Nicht für Leser, die actionlastige Plots bevorzugen
Quick Verdict
Remarkably Bright Creatures: A Novel von Shelby Van Pelt ist ein ungewöhnlicher Roman, der von einer Freundschaft zwischen einer trauernden Witwe und einem neugierigen Oktopus erzählt. Wer offene Herzens ist für Geschichten über unerwartete Verbindungen, wird dieses Buch lieben. Meine Bewertung: 4,5 von 5 Sternen.
Was ist Remarkably Bright Creatures?
Es war ein grauer Novembernachmittag, als ich das Buch aufschlug – genau die Art von Tag, an dem man sich nach etwas Wärme sehnt. Schon nach den ersten Kapiteln war ich gefangen von einer Prämisse, die so bizarr klingt, dass man ihr kaum glauben mag: Ein Oktopus namens Marcellus hilft einer älteren Frau namens Tova Sullivan dabei, ein jahrzehntealtes Familiengeheimnis zu lüften. Tova ist Witwe, seit ihr Mann Erik bei einem Unfall starb – zumindest glaubte sie das immer. Seit seinem Tod arbeitet sie als Putzfrau im Sowell Bay Aquarium, mehr aus Gewohnheit als aus Notwendigkeit. Dort entdeckt sie Marcellus, einen pazifischen Riesenkraken, der ungewöhnlich intelligent zu sein scheint und dessen Neugier auf die Menschen um ihn herum fast greifbar ist.

Wichtige Merkmale
- Ungewöhnlicher Ich-Erzähler: Der Oktopus Marcellus berichtet abwechselnd mit Tova aus seiner Perspektive
- Thematisch tiefgehend: Trauer, Einsamkeit und die Suche nach Sinn im Alter
- Leichtfüßiger Schreibstil: Die Wissenschaft hinter dem Oktopusverhalten wird verständlich eingewoben
- Überraschende Handlung: Das Familiengeheimnis entfaltet sich langsam, aber stetig
- Emotionsgeladen ohne kitschig zu werden: EineGratwanderung, die Van Pelt meisterhaft schafft
- Atmosphärische Schilderungen: Das Aquarium wird fast zum dritten Hauptcharakter
- Schneller Einstieg: Bereits auf Seite eins ist man mittendrin statt nur dabei
Hands-On Rezension
Ich muss gestehen: Als ich die ersten Kapitel las, war ich skeptisch. Ein Oktopus als Hauptfigur? Das klingt nach einem Gimmick, nach einem Buch, das auf Social Media punkten soll, statt echte literarische Tiefe zu bieten. Weit gefehlt. Van Pelt verleiht Marcellus eine Stimme, die zugleich fremd und vertraut ist – seine Wahrnehmung der Welt durch Tintenfischaugen, seine Art zu denken, die so anders ist als unsere, und doch voller Logik und Neugier. Besonders die Passagen, in denen er Beschreibungen von Menschen gibt, die er durch die Glasscheibe beobachtet, sind oft humorvoll und zugleich melancholisch. Der Riesenkrake versteht nicht, warum Menschen so viel Zeit mit Schlafen verbringen. Warum sie sich Sorgen machen. Warum sie allein sind, obwohl sie in Gruppen leben.
Nach etwa hundert Seiten hatte ich Tränen in den Augen – beim Abendessen, peinlich, aber wahr. Es war die Szene, in der Tova zum ersten Mal wirklich über Erik spricht, nicht als der perfekte Ehemann, sondern als der komplizierte Mensch, der er war. Diese Ehrlichkeit hat mich überrascht. Ich erwartete ein trauriges Buch über Einsamkeit und fand stattdessen ein Buch über die Art, wie Menschen mit Verlust umgehen – chaotisch, unlogisch, aber zutiefst menschlich.
Was mich nach zwei Wochen Lesen am meisten beschäftigt hat, ist die Frage nach dem Bewusstsein. Marcellus ist kein niedliches Maskottchen; er ist ein eigenständiges Wesen mit eigenen Wünschen und Ängsten. Van Pelt basiert ihre Darstellung auf aktuellen wissenschaftlichen Erkenntnissen über Kraken, ohne jemals belehrend zu wirken. Das tut dem Buch gut. Es fühlt sich nie wie ein Lehrbuch an, sondern wie eine Geschichte, die zufällig von einem sehr klugen Tier handelt. Die Auflösung des Rätsels kam für mich unerwartet – ich hatte auf etwas Dramatisches gehofft und bekam etwas Sanfteres, Subtleres. Eine Erleichterung, ehrlich gesagt.
Für wen ist dieses Buch?
Remarkably Bright Creatures ist perfekt für Leser, die:
- Sich nach einer herzerwärmenden Geschichte ohne actionlastige Handlung sehnen
- Sich für die Intelligenz von Tieren interessieren, besonders Kraken
- Selbst Erfahrung mit Verlust oder Einsamkeit gemacht haben und nach tröstender Literatur suchen
- Ein Buch als Geschenk suchen, das nicht zu schwer, aber auch nicht zu leicht ist
Überspringen sollte man dieses Buch, wenn man:
- Action, Spannung oder schnelle Wendungen bevorzugt
- Sich nicht auf einen nicht-menschlichen Erzähler einlassen möchte
- Keine Geduld für langsam erzählte Geschichten hat
Alternativen, die ebenfalls lohnen
Falls Remarkably Bright Creatures nicht das Richtige für dich ist, gibt es einige Alternativen: The House in the Cerulean Sea von TJ Klune bietet ähnliche herzerwärmende Atmosphäre mit fantastischen Elementen – allerdings ohne Oktopus. Wer sich für tierische Protagonisten interessiert, könnte The Art of Racing in the Rain von Garth Stein mögen, ein Roman über einen Hund, der seinem Besitzer durch schwere Zeiten hilft. Und für Leser, die wissenschaftliche Fakten über Kraken bevorzugen, ist The Soul of an Octopus von Sy Montgomery die bessere Wahl – ein Sachbuch, das die Intelligenz dieser Tiere ausführlich dokumentiert.
FAQ
Das Buch handelt von Tova Sullivan, einer älteren Witwe, die nach dem Tod ihres Mannes im Aquarium arbeitet. Dort freundet sie sich mit Marcellus an, einem hochintelligenten Oktopus, der ihr bei der Aufklärung eines alten Familiengeheimnisses hilft.
Abschließendes Urteil
Remarkably Bright Creatures ist kein perfektes Buch – das gebe ich zu. Der Mittelteil hätte straffer sein können, und manch eine Nebenfigur bleibt blass. Aber trotzdem hat mich diese Geschichte auf eine Art berührt, die ich selten erlebe. Es ist ein Buch darüber, wie Freunde an den unerwartetsten Orten auftauchen, wie Trauer sich anfühlt und wie es ist, ein Bewusstsein zu haben, das niemand sonst versteht. Nach dem letzten Kapitel saß ich eine Weile still und dachte an Marcellus – an seine neugierigen Augen, seine geschickten Tentakel, seine Einsamkeit im Becken des Aquariums. Ein merkwürdiger Gedanke für ein Buch, das so viel Hoffnung enthält.