The Other Bennet Sister Rezension: Ist Mary Bennets Geschichte empfehlenswert?

Quick Verdict
Pros
- Einfühlsame Charakterstudie einer vernachlässigten Romanfigur
- Lebendiges Sittenbild der Regency-Ära
- Emotionale Tiefe und überraschende Wendungen
- Schreibstil, der die Zeitperiode authentisch einfängt
- Eigenständige Handlung trotz vertrauter Vorlage
Cons
- Für Austen-Skeptiker möglicherweise zu nah an der Vorlage
- Marys Perspektive kann anfangs etwas distanziert wirken
- Manche Leser bevorzugen vielleicht Elizabeth als Protagonistin
Schnelles Urteil
The Other Bennet Sister von Janice Hadlow ist keine typische Jane-Austen-Wiederholung. Die Autorin wählt mit Mary Bennet die am meisten übersehene der fünf Schwestern und gibt ihr eine eigene, durchaus packende Stimme. Nachdem ich das Buch an einem regnerischen Wochenende verschlungen habe, kann ich sagen: Wer Regency-Romane mag und sich auf eine nuancierte Charakterstudie einlassen kann, wird hier gut bedient. 4,2 von 5 Sternen – eine klare Leseempfehlung für Austen-Fans.

Was ist The Other Bennet Sister?
Janice Hadlows Roman erscheint 2019 bei Henry Holt und nimmt eine ungewöhnliche Perspektive ein: Statt Elizabeth Bennet in den Mittelpunkt zu stellen, wie es die meisten modernen Adaptionen tun, richtet die Autorin ihr Augenmerk auf Mary – die dritte, stille, oft unterschätzte Schwester. Im Originalwerk von Jane Austen bleibt Mary weitgehend blass; hier bekommt sie Tiefe, Zweifel und eine eigene Entwicklung.
Die Handlung setzt einige Jahre nach den Ereignissen aus Pride and Prejudice ein. Die Schwestern sind verheiratet oder auf der Suche nach einem Ehemann, und Mary steht vor der Frage, welche Rolle sie in einer Welt einnehmen will, die für Frauen ihres Standes enge Grenzen setzt. Hadlow verwebt historische Genauigkeit mit psychologischer Glaubwürdigkeit und schafft es, Marys inneren Konflikt zwischen Familientradition und persönlichem Ehrgeiz glaubhaft darzustellen.
Wichtige Merkmale
- Eigenständige Romanhandlung basierend auf Jane Austens Universum
- Focus auf Mary Bennet – eine vernachlässigte Nebenfigur der Originalgeschichte
- Historisch akkurate Darstellung der Regency-Ära (ca. 1812–1820)
- Psychologisch fundierte Charakterentwicklung und emotionale Tiefe
- Ca. 480 Seiten englischsprachiger Originaltext
- Geeignet für Buchclubs dank Diskussionspotenzial
Praktischer Test: Mein Leseeindruck
Ich muss gestehen: Ich war anfangs skeptisch. Mary Bennet als Protagonistin? Das klang nach einem cleveren Marketinggag, nicht nach einem Roman mit Substanz. Doch schon nach den ersten dreißig Seiten hat Hadlow mich überzeugt. Mary ist nicht die fröhliche Elizabeth, nicht die hübsche Jane – sie ist ein Mensch voller Widersprüche, unsicher und gleichzeitig erstaunlich willensstark.
Was mich besonders überrascht hat: der Schreibstil. Hadlow schreibt elegant, aber nicht altmodisch. Die Sätze fließen, die Dialoge klingen natürlich, und die Beschreibungen des ländlichen Englands fangen die Atmosphäre ein, ohne in ausschweifende Landschaftsschilderungen zu verfallen. Nach etwa hundert Seiten merkte ich, dass ich das Buch nur noch ungern aus der Hand legte.
Natürlich ist nicht alles perfekt. Das mittlere Drittel des Buches verliert etwas an Tempo, und ich hatte mehrfach das Gefühl, dass Hadlow thematische Fäden hätte straffer ziehen können. Auch das Ende wirkte auf mich einen Hauch absehbar – ein kleiner Spoiler sei gestattet: Mary findet ihr Glück, aber der Weg dorthin ist holpriger, als man vielleicht hofft.
Würde ich das Buch behalten? Ja, und zwar mit dem Vorsatz, es noch einmal zu lesen. Beim zweiten Durchgang fallen Details auf, die beim ersten Mal untergingen – ein Zeichen für durchdachtes Erzählen.
Für wen ist dieses Buch?
Ideal für: Liebhaber von Regency-Romanen und Jane-Austen-Adaptionen, die etwas Neues suchen. Wenn du Clueless oder Bridget Jones magst, aber offen für eine gediegenere Variante bist, greif zu.
Geeignet für: Buchclubs, die über Geschlechterrollen, Erwartungsdruck und persönliche Entwicklung diskutieren möchten. Die emotionale Tiefe des Romans bietet genug Gesprächsstoff für mehrere Treffen.
Weniger geeignet für: Leser, die actionreiche Handlungen oder schnelle Wendungen bevorzugen. The Other Bennet Sister ist ein ruhiger, reflektierter Roman – kein Pageturner im klassischen Sinne.
Skip this, wenn: du Jane Austen ablehnst oder eine moderne, feministische Neuerzählung à la Austenland erwartest. Hadlow bleibt der Zeitperiode treu und reinterpretiert behutsam, nicht rebellisch.
Alternativen, die einen Blick wert sind
Longbourn von Jo Baker – dieser Roman erzählt Pride and Prejudice aus der Perspektive der Dienerschaft. Wenn dir Hadlows Ansatz gefällt, aber du eine noch ungewöhnlichere Perspektive suchst, ist Baker eine ausgezeichnete Wahl. Der Ton ist etwas düsterer, dafür mit mehr sozialer Tiefe.
Eligible von Curtis Sittenfeld – eine moderne Neuinterpretation von Pride and Prejudice, angesiedelt im zeitgenössischen Cincinnati. Sittenfeld behält Austens Charme bei, aktualisiert aber Setting und gesellschaftliche Kontexte. Perfekt für Leser, die es lockerer mögen.
The Darcy Myth von Lauren Wilkinson – ein kürzerer Essayband, der die kulturelle Bedeutung von Mr. Darcy untersucht. Wer nach der Lektüre mehr über die Rezeptionsgeschichte erfahren möchte, findet hier kompaktes Wissen.
FAQ
Janice Hadlow ist eine britische Autorin und Historikerin, die mit diesem Roman ihr Debüt im Bereich der historischen Fiktion gab. Sie ist bekannt für ihre Arbeit bei der BBC.
Fazit
The Other Bennet Sister ist keine bloße Kopie eines Klassikers, sondern eine eigenständige Würdigung einer vergessenen Figur. Janice Hadlow beweist mit ihrem Romandebüt, dass auch die leisen Stimmen in einer Geschichte Gehör verdienen – und dass eine sorgfältig konstruierte Charakterstudie manchmal fesselnder ist als ein actionreicher Plot. Das Buch ist nicht makellos: Das Mittelding leidet unter Tempoeinbrüchen, und nicht jede Leserin wird sich mit Marys Zurückhaltung identifizieren. Aber insgesamt überwiegen die Stärken deutlich. Wenn du auf der Suche nach einem gehaltvollen Regency-Roman bist, der über oberflächliche Romantik hinausgeht, ist dies eine solide Wahl.